Es lässt sich nicht genau abschätzen, wann das erste mal ein Mensch mit Schnur und einem künstlichen Köder auf Fische angelte. Es ist anzunehmen, dass die ganz frühen Kunstköder vor mehreren zigtausend Jahren aus z.B. Knochen, Muscheln oder Holz hergestellt wurden. Alles Materialien, die die Zeit nur schlecht überdauern konnten. Dennoch wurden schon kunstköderähnliche Haken aus Knochen gefunden, die sich noch der jüngeren Steinzeit zuordnen lassen.

Aus der Bronzezeit (ca. Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr.) sind uns einige wenige Köder aus Metall erhalten, die einem heutigen Blinker schon sehr ähneln. Sie sahen aus wie heutige Thunfischlöffelblinker, d.h. einem Blinkerblatt mit festem, großen Einzelhaken.

Aus dem Spätmittelalter ist uns vor allem der Bellifortis-Blinker aus alten Zeichnungen (die älteste von 1405) überliefert. Dabei handelte es sich um einen rautenförmigen Metallköder aus Messing, mit einem Doppelhaken am unteren Ende.

Mit dem Beginn der Neuzeit entwickelte sich die Angelfischerei bzw. Freizeitfischerei insbesondere in England rasant. Im Großraum London gab es schon im 17. Jh. einige Hersteller von Angelgeräten. Zu dieser Zeit wurde auch ein Buch über die Angelfischerei geschrieben, das bis heute noch gedruckt wird: „The compleat angler or an contemplative man's recreation“ von Izaak Walton. In der Deutschen Version lautet der Titel: „Der vollkommene Angler oder eines nachdenklichen Mannes Erholung“. Auch dort ist schon ein früher Kunstköder beschrieben, nämlich ein künstlicher Fisch aus Seide.

antiker kunstkoeder cleopatra

Foto: Dieser Ködertyp, den man in Deutschland als Gliederfisch bezeichnet, wurde ursprünglich von der britischen Firma Gregory entwickelt und ab Mitte des 19. Jahrhunderts vertrieben. (Foto: W. Kalweit)

In englischen Büchern des 18. Jh. werden dann eine Vielzahl unterschiedlicher Kunstköder dargestellt, u.a. aus Blech, vergoldet, versilbert oder mit natürlichen Farben. Im 19. Jh. nahm diese Vielfalt in England weiter stark zu und auch nach Deutschland wurden viele Kunstköder verschifft. Die frühen deutschen Angelbücher (wie z.B. von Wilhelm Bischoff, Baron von Ehrenkreuz oder Max von der Borne) zeigen dann auch eine Reihe wunderschöner käuflicher Kunstköder, die jedoch wahrscheinlich alle aus englischer Produktion stammten. Neben diesen Abbildungen gab es aber auch schöne Anleitungen zu Selbstbau, z.B. einem Blinker aus einem alten Suppenlöffel.

alte angelausruestung

Foto: Manchmal findet man auf einem Dachboden oder in einem Keller noch eine alte Angelausrüstung. Diese hier wurde mir vor einigen Jahren verkauft und sie beinhaltet auch ein paar antike Kunstköder. (Foto: W. Kalweit)

Ende des 19. Jh. ist es den damals großen deutschen Angelgerätehändlern, wie Stork aus München oder Oscar bzw. Fritz Ziegenspeck aus Berlin, zu verdanken, dass aus dem Ausland eine Reihe toller Köder den Weg nach Deutschland fanden. In dieser Zeit wurden aber auch schon einige erstklassige Kunstköder in Deutschland erfunden und vertrieben. Besonders hervorzuheben sind hier die Erfindungen von Dr. Karl Heintz.

Anfang des 20. Jh. Schritt die Entwicklung und der Absatz von Kunstködern in Deutschland weiter voran und die Vielfalt war prächtig, bestehend aus deutschen Ködern, aber vor allem auch unzähliger ausländischer Importe. Neben England kamen die Kunstköder seinerzeit vor allem aus Amerika und Frankreich.